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Alles, nur nicht spießig

Regelmäßig Leser dieses Blogs erinnern sich vielleicht noch an Einträge wie "Hexenhaus" oder "Schleichender Ausstieg". Jetzt gehe ich einen weiteren Schritt weg aus bürgerlicher Spießigkeit hin zu "irgendwie anders leben": Ich ziehe in eine WG. Das hört sich jetzt deutlich weniger spektakulär an, als es sich für mich anfühlt. Ich habe nie in einer WG gewohnt, auch während des Studiums nicht, sondern war immer eher eine Verfechterin der Einsiedelei. Und in den letzten viereinhalb Jahren habe ich mir eine ausgesprochen geräumige und fast schon luxuriöse 2-Zimmer-Wohnung mit 63 qm geleistet.

Warum also jetzt dieser Schritt? Nun, zum Einen hab ich dieses Jahr in kurzem Abstand erst eine Mieterhöhung und dann noch eine Erhöhung der Betriebskosten erhalten. Die Stadtwerke wollen für ihren Strom auch mehr Geld. Ganz ehrlich gesagt wird das mit meiner Teilzeitstelle so langsam etwas knapp, ich gebe fast die Hälfte meines Nettoeinkommens für die Wohnung aus. Das wird mir etwas viel.

Außerdem habe ich, nicht zuletzt durch das Frankenstein-Musical, in letzter Zeit gemerkt, dass es ja gar nicht so falsch ist, öfter mal Menschen um sich zu haben, wenn es denn nette Menschen sind. Ich merkte, dass ich ein bisschen neidisch wurde, wenn dann so Sätze fielen wie "Mein Mitbewohner hat mir heute morgen Frühstück gemacht" oder "Als ich gestern nach Hause kam, haben wir in der WG noch bis zwei gefeiert".

Ich habe so eine persönliche Horrorvision, dass ich irgendwann in meiner Wohnung tot umfalle und es merkt keiner. Also, klar, die Kollegen würden sich bestimmt fragen, wo ich denn bin, im Ensemble würden die Leute sich auch Gedanken machen und der eine oder andere Bekannte würde sich wundern, wenn ich längere Zeit keine Mails mehr schicke und nicht zu erreichen bin, aber bis sich wirklich jemand berufen fühlt, nachzugucken, wäre ich wahrscheinlich verrottet. Was mir dann ja im Prinzip auch egal sein kann, für mich war die Geschichte ja eigentlich schon mit dem "tot umfallen" gelaufen, aber die Vorstellung finde ich trotzdem scheiße. Und dabei ist es ja nicht so, als hätte ich keine Freunde oder als würde mich keiner vermissen, wenn ich weg bin (hoffe ich zumindest ). Ich bin ja keine 79jährige Rentnerin ohne Sozialkontakte oder so. Aber ich habe eben keinen Clan, keinen Stamm, keine Dorfgemeinschaft, zu der ich gehöre. Und je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass man so etwas doch irgendwie braucht.

Also, diese beiden Punkte "Miete zu hoch" und "ich will Menschen" schwirrten schon länger in meinem Hirn rum, dazu kommt noch der ebenfalls schon ältere Wunsch, mehr im Grünen zu wohnen (obwohl der kleine Bach hinter meiner jetzigen Wohnung natürlich auch schon ziemlich klasse ist und fast als "im Grünen" durchgehen könnte), am bestem mit Garten und so. Vor vielen Jahren ist mal eine Bekannte von mir in eine Land-WG gezogen und ich habe sie damals darum schon etwas beneidet (aber da bin ich gerade mit Nils zusammen gezogen, deshalb stand das für mich selbst so gar nicht auf dem Plan).

Vor zweieinhalb Wochen oder so sprang mir dann in der nadann eine Anzeige ins Auge "Haus-WG, 2 Zimmer, 250 €". Das klang zu gut um wahr zu sein und die nadann war auch nicht mehr ganz frisch und ich nicht ganz mutig genug, um anzurufen. Bis die Anzeige in der nächsten Ausgabe wieder drin stand. Da hab ich mir dann ein Herz gepackt und angerufen und bin am gleichen Abend noch hingefahren. Und wen treff ich da? Eben jene Bekannte von früher (mindestens 10 Jahre nicht gesehen), die damals in die Land-WG (war eine andere WG, übrigens) gezogen ist. Wenn das kein Zeichen ist

Ich habe nur einen recht flüchtigen Blick auf die Zimmer geworfen (klein aber gemütlich) und mich dann begeistert in der Küche festgequatscht. Was für ein witziger, zusammengewürfelter Haufen von erwachsenen, unangepassten Menschen! Und ein Hund! Ich war Feuer und Flamme. Leider gab es noch mehr Bewerber und es ist klar, dass eine sieben Personen Hausgemeinschaft nur funktionieren kann, wenn alle miteinander klar kommen. Allzu viele Hoffnungen hab ich mir also gar nicht gemacht. Allerdings hab ich zuhause dann doch schonmal gedanklich Möbel geschoben.

Letzten Dienstag kam dann der Anruf. Ich kann da einziehen. Ich hab sofort zugesagt. Ich weiß gar nicht, wie viele Leute mich inzwischen schon gefragt haben "Hast du dir das auch gut überlegt?". Nein, hab ich nicht. Ich habe mir das überhaupt nicht überlegt, sondern einfach aus dem Bauch heraus beschlossen, dass ich das jetzt mache. Wenn ich darüber nachgedacht hätte, hätte ich mich bestimmt nicht getraut.

Ich werde einige meiner Möbel nicht mitnehmen können, die Zimmer sind viel kleiner als meine jetzige Wohnung und ich werde mich von meinem Klavier trennen müssen. Das tut mir schon ziemlich leid, auch wenn ich selten drauf spiele. Überhaupt muss ich mein Leben ziemlich entrümpeln, aber das wird auch langsam mal wieder Zeit.

Ein bisschen hab ich mich davor gefürchtet, es meiner Mutter zu erzählen. Ich meine, hey, die ist immer so froh, wenn ich ein ganz normales Leben lebe, so mit festem Job, schöner Wohnung und so. Da passt Haus-WG so gar nicht ins Konzept, dachte ich. Aber man soll Mütter ja nicht unterschätzen. Sie war regelrecht begeistert und meinte, sie hätte schon länger gemerkt, dass bei mir mal wieder eine Veränderung anstehe. Nun muss man dazu sagen, dass sie das Haus, das eine alte umgebaute Fabrik und mehr eigenwillig als wirklich schön ist, ja auch noch nicht gesehen hat Vielleicht ändert das ihre Meinung ja wieder. Es hat jedenfalls total gut getan, dass sie mich da versteht und unterstützt und dass von ihr nicht die Frage kam "Hast du dir das auch gut überlegt?".
27.11.07 11:55
 



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