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"And I wish that we were geese ...

... eating corn, eating corn."

So lautet eine Zeile aus dem irischen Folk-Song "The Pratties", in dem es um die große irische Kartoffelfäule und daraus resultierende Hungerkatastrophe in Irland im 19. Jahrhundert geht. Hier erfuhr die Menschheit vielleicht zum ersten Mal die Gefahr von Monokultur, als in einem Zeitraum von weniger als zehn Jahren über eine Million Menschen, ca. 12 % der damaligen irischen Bevölkerung, verhungerten, nachdem die Kartoffelpflanzen von einer Pilzinfektion befallen wurden, die sich rasend schnell ausbreitete.

Das "corn" von dem hier die Rede ist, ist nicht, wie heute im amerikanischen Sprachgebrauch üblich, Mais, sondern einfach ein Sammelbegriff für Getreide (größtenteils wohl die anspruchslose Gerste), das nur noch wenig in Irland angebaut wurde und eben nur noch als Tierfutter Verwendung fand. Mühlen und eine Infrastruktur für die Verarbeitung von Getreide zu Lebensmitteln gab es so gut wie nicht mehr. Die Menschen aßen ja jetzt Kartoffeln. (Gerste eignet sich allerdings eh nicht zum Brotbacken, taugt nur zum Bierbrauen oder für Graupensuppe.)

Wenn wir diese sprachlichen Feinheiten einmal beiseite lassen, dann muss man aber sagen, dass sich der Wunsch des dichtenden Iren, der dieses Lied schrieb, wohl erfüllt hat. Zumindest für die Nordamerikaner, aber zunehmend aber auch für uns Bewohner der anderen westlichen Industrienationen. Wir sind Gänse geworden. Was wir essen, ist Mais. Mais füttert die Tiere, die wir essen, aus Mais werden Stärke, Süßstoffe, Emulgatoren, Lecithine, Farbstoffe und eine Vielzahl weiterer Zusatzstoffe hergestellt. Etwa ein Viertel aller amerikanischer Lebensmittel enthält Mais. In Europa verteilt es sich geringfügig anders, hier spielen andere Getreidearten noch eine größere Rolle, aber auch hier dominiert Mais zumindest die Futtermittelindustrie und somit das, was wir irgendwann an Fleisch zu uns nehmen.

Michael Pollan beschreibt in seinem Buch "Omnivore's Dilemma" (also: "Das Dilemma des Allesfressers"), wie sich unsere Nahrungskette immer weiter auf nur wenige Pflanzen reduziert. Neben dem Mais spielt hier vor allem Soja eine wichtige Rolle. Eine hochspannende Leseprobe gibt es online:
Leseprobe Omnivore's Dilemma

Hier erfährt man auch (was ich bisher nicht wusste), was Mais für eine abgedrehte Pflanze ist. Neben der sehr seltenen C-4 Photosynthese besitzt sie einen Fortpflanzungsmechanismus, der in der Pflanzenwelt einzigartig ist und, so die These Pollans, ohne die Symbiose mit dem Menschen, gar nicht funktionieren würde. Das klingt enorm fremdartig. Der englsiche Begriff, den ich hier verwenden würde, wäre "alien" und tatsächlich musste ich beim Lesen an Orson Scott Cards xenobiologischen Szenarien mit Schweinchen und Bäumen aus "Speaker for the Dead" denken. Außerdem kann man sich bei Pollans Ausführungen dem Eindruck nicht erwehren, dass nicht etwa Ratten oder Kakerlaken die Weltherrschaft anstreben, sondern Maispflanzen. Nur ausrotten können sie uns nicht, denn sie brauchen uns ja, weil wir die Daumen haben und die braucht es, um Mais vom Kolben zu lösen und aussähen zu können ...

Insgesamt ist Pollans Buch ein Plädoyer dafür, dass wir uns wieder bewusster machen sollen, was wir essen, wieder näher an den Produktionsprozess von Nahrungsmitteln heranrücken sollen, statt unseren industriell gefertigten Fraß aus dem Supermarkt zu kaufen und damit spricht er mir natürlich aus der Seele.
26.6.07 18:34
 



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