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Geld oder Leben

Das ist der Nachteil, wenn man außer den Fußballergebnissen keine Nachrichten mehr verfolgt: man kriegt auch von coolen Aktionen nix mehr mit. Zum Beispiel habe ich die coole "Geld oder Leben" Aktion im Bundestag völlig verpennt und erst gerade in Telepolis darüber gelesen. Dabei ist das echt mal eine Truppe nach meinem Geschmack. Widerstand braucht Fantasie. Ihrer Systemkritik kann ich mich 100%ig anschließen. Ihre Vision einer alternativen Gesellschaft erscheint mir noch ein wenig dünn und unkonkret, aber wäre vielleicht auch zuviel verlangt, dass die einen exakt ausgearbeiteten 10 Jahresplan zur Gesellschaftsumformung aus dem Hut zaubern oder so.

Lustig ist, wenn man dann die Diskussionen zur Gruppe und ihrer Aktion in irgendwelchen Internetforen verfolgt. Das folgt dann immer dem bekannten und schon bewährten Muster:

Querdenker: Die Güter sind global gesehen ungerecht verteilt, wir hier in den westlichen Industrienationen verbrauchen viel mehr als wir zum Leben brauchen und anderswo verhungern Menschen.

Systemindoktrinierter: Die ärmeren Länder verdienen doch auch an den Waren, die wir hier konsumieren.

Q: Ja, aber viel zu wenig. Die Menschen dort sind gezwungen, jahrhundertealte Lebensformen aufzugeben und stattdessen auf ihren Feldflächen Soja anzubauen oder für einen Hungerlohn in Fabriken Fussbälle zusammen zu nähen.

S: Die sollen doch froh sein, dass westliche Unternehmen in ihr Land investieren und ihnen Arbeitsplätze besorgen.

Q: Nein, die werden nur ausgebeutet, die Produktionsmittel gehören ihnen nicht.

S: Wenn westliche Unternehmen das nicht machen würden, würden die da alle verhungern.

Q: Wenn westliche Unternehmen das nicht machen würden, könnten die sich selber eine funktionierendes System aufbauen.

S: Nein, dazu sind die zu dumm/ungebildet/faul, die sind auf Hilfe der Industriestaaten angewiesen.

Q: Wenn sie selber die Produktionsmittel ...

S: Das wäre dann aber Kommunismus!

Q: Ja, und?

S: Bist du etwa Kommunist?

Q: Und wenn ich einer wäre?

S: Kommunismus ist ganz böse, da sterben Menschen.

Q: Und im Kapitalismus nicht?

S: Zumindest werden die da nicht eingesperrt, weil sie anderer Meinung sind.

Q: Ach, und was ist mit Guantanamo!

S: Das sind ja auch Terroristen!

Q: Da reicht aber der bloße Verdacht, keine Gerichtsverhandlung, kein Anwalt etc.

S: Okay, aber nur weil eine Sache nicht so 100%ig demokratisch abläuft, heißt das ja noch nicht, dass das System scheiße ist. Demokratie ist einfach die beste Regierungform, die wir haben.

Q: Demokratie ist nur eine Farce, die Politiker sind doch eh alle von der Wirtschaft gekauft.

S: Ja, aber was wäre denn die Alternative? Jetzt sag nicht Kommunismus ...

Q: Wieso denn nicht?

S: Kommunismus ist ganz böse, da sterben Menschen.

...

Und an diesem Punkt kommen alle systemkritischen Grundsatzdiskussionen früher oder später an, weil sich scheinbar niemand eine Alternative zwischen den Extremen vorstellen kann (ja, ich halte auch parlamentarische Demokratie für ein Extrem und nicht für ein besonders gesundes). Ich fordere den matriachalen ökozentrierten basisdemokratischen intessengruppenbasierten Gulaschkommunismus. Aber auf mich hört ja keiner. Außerdem kommt da Kommunismus im Wort vor. Das ist böse. Da sterben Menschen.
14.5.07 17:05
 



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