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Was man nicht alles im Keller findet ...

Ich habe gestern mein alljährliches Schrottwichteln veranstaltet. Die Teilnahme war übrigens miserabel, wir waren nur zu viert. Auf der Suche nach brauchbaren Anti-Geschenken, Dingen also, die ich schon immer mal loswerden musste aber nicht selber in den Container werfen wollte, fand ich mehrere Fuchsschwänze (echte, vom Tier, aus Fell, nicht diese Sägen), die letzten beiden Sandkerzen (ich hoffe, es waren wirklich die letzten), ein kaputtes Akkordeon und etwas absolut nützliches, von dem ich vorher nicht wusste, dass es in meinem Keller sein würde: einen Nachmieter. Klingt komisch, ist aber so.

Im Wäschekeller traf ich nämlich meinen Nachbarn Kai, der sich angeregt mit zwei Leuten darüber unterhielt, wie wichtig es ist, dass Männer ihre Wäsche selber waschen können. Na ja, genaugenommen unterhielt sich die fremde Dame angeregt und Kai war eher auf der Suche nach einem Mauseloch oder anderem Notausgang. Ich mischte mich also heldenhaft ins Gespräch, um die Geschwätzige abzulenken und ihm die Flucht zu ermöglichen und erwähnte dabei, dass ich jetzt ja aus und in eine gemischte WG ziehe. Da wurde die Dame ganz wach und fragte, ob denn dann meine Wohnung frei würde. Die war nämlich Maklerin und ihr (bisher recht stummer) Begleiter hatte sich gerade eine andere Wohnung in unserem Haus angesehen, für die es aber schon einen Interessenten gab.

Ich habe dann eine Spontan-Wohnungsbesichtigung bei mir angeboten und der Gute war total begeistert. Eben hat mich dann meine eigene Maklerin angerufen und gesagt, dass er den Mietvertrag unterschrieben hat. Das ist schön, denn so komme ich einen Monat früher aus meinem Vertrag raus. Und die Maklerin hat sich wahrscheinlich einen Ast gefreut, weil sie ohne irgendwelche Antrengung ihrerseits an die Courtage gekommen ist.

Ich empfehle also einen Blick in den Keller in allen Lebenslagen, man weiß ja nie...

Was ich demnächst nicht mehr so empfehle ist der Blick in dieses Blog, ich ziehe nämlich um (also, nicht nur im richtigen Leben, sondern auch virtuell) und werde meine Ergüsse demnächst stattdessen hier absondern: http://blog.jutta-jordans.de , weil ich meine gesamte Webseite gerade überarbeite und zu einem neuen Webhoster umgezogen bin, der ein werbefreies Blog anbietet. Dieses Myblog wird also nur noch als Archiv bestehen bleiben. Links updaten, Feeds umabonnieren etc. bitte jetzt
17.12.07 17:00


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Forgotten Joys

Okay, diese Abmahngeschichte liegt mir immer noch schwer im Magen, zumal es wohl darauf hinauslaufen wird, dass ich die komplette Summe werde zahlen müssen, ob es mir passt oder nicht. Aber deswegen jetzt länger Trübsal zu blasen, ist nicht meine Art. Kriegt man nur Pickel und Magengeschwüre von. Also, lieber auf zu neuen Taten.

Gestern entstand bei mir spontan der Wunsch, Windows mal wieder den Rücken zu kehren und stattdessen mal mein ubuntu-Linux auf den neuesten Stand zu bringen. Ich hatte zwar noch eine veraltete Distri auf meiner Platte, aber da war irgendwas mit der XServer Konfiguration kaputt und ich hatte keinen Nerv, dass jetzt per Console wieder hinzufrickeln. Also hab ich die Partition kurzerhand komplett geplättet und ein völlig neues Ubuntu 7.10 installiert. Boah, ging das schnell, Mann! Da kann Windows sich jetzt wirklich mal ne Scheibe von abschneiden, da verbringt man in so einem Fall ja mehrere Stunden mit Installieren und gelegentlichem Neustarten.

So ein neues Betriebssystem ist ja immer gleich, als hätte man einen komplett neuen Computer. So ein bisschen auch immer wie neue Schuhe, hübsch anzusehen, aber eben noch nicht so richtig eingelaufen. Ein bisschen muss ich also sicher noch basteln, bis alles 100%ig passt und ich alle Programme installiert habe, die ich so brauche. Da trifft es sich ganz gut, dass ich auch meine Webseite demnächst komplett neu überarbeiten will. Muss ich sowieso dran, weil ich meinen DSL-Vertrag gekündigt habe und in einen anderen Webspace umziehe, die Inhalte sind zum Teil auch schon recht veraltet, da bietet sich ein Redesign gleich mit an. Und dann kann ich auch auf Citydesk verzichten, das war so einer der Gründe, warum ich immer noch Windows gebraucht habe. Der andere ist die Videobearbeitung, aber da sind die Linuxer inzwischen aus dem Quark gekommen und es gibt einige vielversprechende Alternativen.

Aber was ich eigentlich erzählen wollte: neues Betriebssystem macht Spaß und weckt den Spieltrieb. Dann hat mein Kollege Rüdiger am Montag einen superspannenden Vortrag über Datentypen gehalten. Wenn man Rüdiger kennt, weiß man, dass das ein echt erstaunliches Ereignis ist ... Rüdiger ist nun nicht unbedingt für seine Geschwätzigkeit bekannt. Wir sitzen seit fast vier Jahren in einem Büro und ich wette, die Anzahl Wörter, die wir miteinander gewechselt haben, ist immer noch zweistellig. Aber wenn er etwas sagt, dann hat das Hand und Fuß. Kein schlechtes Feature, eigentlich.

Also, die Kombi aus alles-neu Spieltrieb und Rüdigers Begeisterung dafür, wie man eigentlich programmieren sollte, wenn man denn könnte und dürfte, weckte in mir eine lange verschüttete Lust auf Programmieren. Also, so richtig, zu Hause, nur für mich, so wie ich will und nicht mit all dem Scheiß belastet, den man im täglichen Firmenalltag so um die Ohren hat. Ich hätte gar nicht gedacht, dass mir das nochmal passiert, hatte ehrlich gesagt mit der "Programmieren macht Spaß" Mentalität schon längst abgeschlossen, weil ich auf der Arbeit in den letzen 3 Jahren oder so nicht ein einziges Mal Spaß dabei hatte (und entsprechend zu Hause auch keine große Lust, meine Entwicklungsumgebung zu starten). Und jetzt sitze ich hier und scharre mit den Füßen, sozusagen, und kann nicht abwarten, mich in ein neues Projekt zu stürzen. Joys of the craft revisited, sozusagen. Cool! (Unnötig zu erwähnen, dass ich eigentlich mal wieder gar keine Zeit ...)

Ein Spiel soll es werden (natürlich ), eines von der kleinen, unkomplizierten Sorte für zwischendurch. Die Idee kam mir heute bei der Arbeit, weil ich mich an ein "Brettspiel" aus meinen Kindertagen erinnerte. Brettspiel ist eigentlich der falsche Begriff. Das Ding hieß "Zeitfalle" und war eine unsäglich häßliche blaue Plastikkiste mit eingebauter Eieruhr, wo man kleine orangene Plastikmöppel in einer vorgegebenen Zeit in die richtige Reihenfolge sortieren musste, bevor die mit Riesengeschepper durch sich öffnende Löcher fielen. Die Tatsache, dass das Ding so ein Lärm machte und die rückwärts laufenden Uhr legten die Assoziation einer Zeitbombe nahe. Außerdem hatte der Kasten einen Bug, die Uhr blieb ab und zu hängen und konnte dann nur durch einen leichten Schlag aufs Gehäuse wieder zum Laufen gebracht werden. Meine beste Freundin und ich pfiffen daraufhin auf die ganze Sortiererei und setzten die Kiste stattdessen als Zeitbomben-Prop beim Spielen ein, mit dem Nervenkitzelfaktor, ob man, nachdem man das Teil nach Hängenbleiben neu anschubste, noch rechtzeitig hinter der Couchlehne in Deckung springen konnte, bevor es "explodierte". So aufgeschrieben klingt das nicht sehr kreativ, fürchte ich, aber wir haben so etliche Nachmittage mit enorm hohem Adrenalinspiegel verbracht

In meinem Spiel wird es also um das Entschärfen von Bomben gegen die Uhr gehen. Man muss eine (mit steigendem Level größer werdende) Anzahl von Drähten in der richtigen Reihenfolge (die einem irgendwo am Bildschirmrand angezeigt wird) durchschneiden, bevor die Zeit abgelaufen ist, sonst bumm. Dabei ergibt sich eine Memory-Komponente daraus, dass man die Kennzeichnung der Drähte nur sieht, solange man mit der Maus darüber ist, man sich also tunlichst die Drähte merkt, die man schon angesehen hat, um später schneller zu sein. Steigende Schwierigkeit kriegt man dann durch kürzeren Countdown, mehr Drähte und kompliziertere Farbkennzeichnung. Ich weiß schon ziemlich genau, wie das aussehen soll, muss jetzt "nur noch" das ganze in verwendbare Graphik umsetzen.

Sprache wird C++, kann ich einfach am besten, GUI Toolkit wahrscheinlich Gtk+, für eine Entwicklunsumgebung hab ich mich noch nicht entschieden, muss ich erstmal gucken, was da in ubuntu so geht. Bis ich die ersten Zeilen Programmcode schreibe, wird sowieso noch einige Zeit vergehen, ich bin ja doch ein großer Planer vor dem Herrn bei solchen Sachen.
11.12.07 18:25


Wolfram & Hart

Falls Sie es noch nicht wussten: Wolfram & Hart hat eine Zweigstelle in Deutschland. Hier nennen die sich Waldorf und haben ihren Firmensitz in München. Jetzt haben die mir einen netten Brief geschrieben. Ich hätte illegalerweise Hörbücher über eine Tauschbörse im Internet verbreitet. Man sei bereit, dies als einmaliges Versehen zu werten und von einer Klage (mit immensem Streitwert … und das sei noch niedrig gerechnet … bla bla bla) abzusehen, wenn ich sofort (Frist kleiner einer Woche) meine Seele per Unterschrift in Blut zur freien Verfügung stelle (okay, eine Unterlassungserklärung unterzeichne, aber das Prinzip ist schon ähnlich …) und außerdem die geringfügige Schadensersatzzahlung von 100 € (okay) und die geradezu infinitisimal kleine Anwaltsgebühr von 506 € (wie bitte?) überweise. Einen Überweisungsträger haben sie freundlicherweise gleich mitgeschickt. Außerdem die beruhigende Kopie von der Staatsanwaltschaft, dass das Ermittlungsverfahren in dieser Sache eingestellt wurde.

Oh, da lief ein Ermittlungsverfahren gegen mich? Das war mir nicht bewusst. Oh, nee, halt, das Ermittlungsverfahren lief gegen unbekannt. Und wurde eingestellt. Warum kommen die denn dann auf mich?

Irgendwie mutet das ganze ein bisschen an wie eine räuberische Erpressung. Da wird mit Pest, Cholera, dem Verlust der Ehre und lebenslanger Verschuldung gedroht, wenn man nicht sofort tut, was die wollen. Das ganze übrigens nicht etwa per Einschreiben oder so, sondern auf dem normalen Postweg. Was wäre denn, wenn ich jetzt ein paar Tage im Urlaub gewesen wäre oder so? Dann wäre die Frist verstrichen gewesen, ohne dass ich auch nur eine Chance gehabt hätte, dem Deal zuzustimmen.

Das deutsche Rechtssystem scheint mir hier ein bisschen … wie formuliere ich es diplomatisch? … unzureichend. Offenbar ist dieses Anwaltsbüro nämlich nicht, wie man nach Lesen des Anschreibens meinen könnte, vom entsprechenden Hörverlag beauftragt, sondern mahnt erst mal vorsorglich ab. Die Höhe der Anwaltsgebühren scheinen auch recht willkürlich festgesetzt zu sein. Das Zusammentragen der Daten und Verfassen des Schreibens hat wahrscheinlich einen schlechtbezahlten Praktikante oder eine studentische Aushilfe so um die zwei Stunden beschäftig. Das macht dann einen Stundenlohn von … warum noch mal habe ich nicht Jura studiert?

Ich fühle mich so ein bisschen ins Knie gefickt hier! Hallo! Seht ihr die Gewalt, auf die sich das System stützt? Hilfe! Hilfe! Ich werde unterdrückt! Wer noch nie irgendwelche Medien zum Eigengebrauch in der rechtlichen Grauzone kopiert hat, werfe den ersten Stein, selbst wenn irgendjemand Jehova sagt.

Gefunden habe ich das Schreiben übrigens gestern Nacht um halb drei, nachdem ich zu Fuß vom Cineplex nach Hause gelaufen bin (50 Minuten und drei Blasen unter den Füßen). Soviel zu ruhigem Nachtschlaf, den ich mir eigentlich glaubte, verdient zu haben. Manchmal ist die Welt einfach nicht fair.

Nein, ich weiß noch nicht, ob ich jetzt zahle und unterschreibe. Meine Anwälte arbeiten an dem Fall Aber doof ist es schon.
9.12.07 13:08


Da lernt man was für's Leben

Der letzte Vorhang fiel, Frankenstein ist abgespielt ... Eine turbulente, anstrengende und größtenteils schöne Zeit geht zu Ende -- Zeit für ein persönliches Resümee. Der Zusammmenhalt im Ensemble war enorm, was sicher daran lag, dass das Projekt so oft auf der Kippe stand und durch äußere Umstände zu scheitern drohte. Die alte Weisheit "Bedrohung von außen führt zu besserem Zusammenhalt im Inneren" hat sich also einmal mehr bewahrheitet. Schade, dass dieser Zusammenhalt dann aber auch sofort wegbricht, wenn es nix mehr zu verlieren gibt. Die Teilnahme am allgemeinen Putz- und Aufräumwochenende war dementsprechend dann auch eher dürftig und ein gutes Dutzend Leute hat sich den Arsch abgeschuftet, um für die zu covern, die nicht da waren. Geht euch schämen, Freunde!

Die wichtigste Lektion, die ich dieses Projekt gelernt habe, war, Bierflaschen am Kasten aufzumachen. Das konnte ich vorher nicht und das ist nun mal echt eine Fähigkeit, die einem das Leben erleichtert. Andererseits gibt es für eine Frau natürlich kaum eine bessere Anmachmöglichkeit als mit einer Bierflasche (typischerweise Biermixgetränk) zum Männchen der Wahl zu gehen und mit hilflosem Blick und gekonntem Augenaufschlag zu hauchen: "Kannst du mir mal meine Flasche aufmachen?" Das hab ich mir jetzt versaut. Also, ich könnte das natürlich immer noch tun, aber das kann ich mit meiner feministischen Ader dann so gar nicht vereinbaren. Gespielte Hilflosigkeit bei Frauen geht mir unglaublich auf den Zeiger, so tief will ich auf gar keinen Fall sinken.

Bei der Dernierenparty hab ich ein Lied gesungen. Wie immer bei solchen Gelegenheiten kriegte ich kurz vor knapp ziemliches Nervenflattern und hab mich für meine eigene Blödheit verflucht. Aber ich habs durchgezogen. Ist so ähnlich wie Bungee-Springen. Das schlimmste ist die Angst, in letzter Sekunde zu kneifen. Wenn man erstmal unterwegs ist, fällt es sich von ganz alleine und wenn man vor lauter Aufregung dran denkt, auch mal nach rechts und links zu gucken, ist es eigentlich ganz cool. Ich glaub, die Leute haben geklatscht, aber so wirklich erinnern tue ich mich nicht, ich war erst zwei Bier und drei Spanferkelbrötchen später wieder so richtig da.

Sonst noch was? Ach ja, ich kann jetzt Reißverschlüsse einnähen.
3.12.07 10:51


Alles, nur nicht spießig

Regelmäßig Leser dieses Blogs erinnern sich vielleicht noch an Einträge wie "Hexenhaus" oder "Schleichender Ausstieg". Jetzt gehe ich einen weiteren Schritt weg aus bürgerlicher Spießigkeit hin zu "irgendwie anders leben": Ich ziehe in eine WG. Das hört sich jetzt deutlich weniger spektakulär an, als es sich für mich anfühlt. Ich habe nie in einer WG gewohnt, auch während des Studiums nicht, sondern war immer eher eine Verfechterin der Einsiedelei. Und in den letzten viereinhalb Jahren habe ich mir eine ausgesprochen geräumige und fast schon luxuriöse 2-Zimmer-Wohnung mit 63 qm geleistet.

Warum also jetzt dieser Schritt? Nun, zum Einen hab ich dieses Jahr in kurzem Abstand erst eine Mieterhöhung und dann noch eine Erhöhung der Betriebskosten erhalten. Die Stadtwerke wollen für ihren Strom auch mehr Geld. Ganz ehrlich gesagt wird das mit meiner Teilzeitstelle so langsam etwas knapp, ich gebe fast die Hälfte meines Nettoeinkommens für die Wohnung aus. Das wird mir etwas viel.

Außerdem habe ich, nicht zuletzt durch das Frankenstein-Musical, in letzter Zeit gemerkt, dass es ja gar nicht so falsch ist, öfter mal Menschen um sich zu haben, wenn es denn nette Menschen sind. Ich merkte, dass ich ein bisschen neidisch wurde, wenn dann so Sätze fielen wie "Mein Mitbewohner hat mir heute morgen Frühstück gemacht" oder "Als ich gestern nach Hause kam, haben wir in der WG noch bis zwei gefeiert".

Ich habe so eine persönliche Horrorvision, dass ich irgendwann in meiner Wohnung tot umfalle und es merkt keiner. Also, klar, die Kollegen würden sich bestimmt fragen, wo ich denn bin, im Ensemble würden die Leute sich auch Gedanken machen und der eine oder andere Bekannte würde sich wundern, wenn ich längere Zeit keine Mails mehr schicke und nicht zu erreichen bin, aber bis sich wirklich jemand berufen fühlt, nachzugucken, wäre ich wahrscheinlich verrottet. Was mir dann ja im Prinzip auch egal sein kann, für mich war die Geschichte ja eigentlich schon mit dem "tot umfallen" gelaufen, aber die Vorstellung finde ich trotzdem scheiße. Und dabei ist es ja nicht so, als hätte ich keine Freunde oder als würde mich keiner vermissen, wenn ich weg bin (hoffe ich zumindest ). Ich bin ja keine 79jährige Rentnerin ohne Sozialkontakte oder so. Aber ich habe eben keinen Clan, keinen Stamm, keine Dorfgemeinschaft, zu der ich gehöre. Und je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass man so etwas doch irgendwie braucht.

Also, diese beiden Punkte "Miete zu hoch" und "ich will Menschen" schwirrten schon länger in meinem Hirn rum, dazu kommt noch der ebenfalls schon ältere Wunsch, mehr im Grünen zu wohnen (obwohl der kleine Bach hinter meiner jetzigen Wohnung natürlich auch schon ziemlich klasse ist und fast als "im Grünen" durchgehen könnte), am bestem mit Garten und so. Vor vielen Jahren ist mal eine Bekannte von mir in eine Land-WG gezogen und ich habe sie damals darum schon etwas beneidet (aber da bin ich gerade mit Nils zusammen gezogen, deshalb stand das für mich selbst so gar nicht auf dem Plan).

Vor zweieinhalb Wochen oder so sprang mir dann in der nadann eine Anzeige ins Auge "Haus-WG, 2 Zimmer, 250 €". Das klang zu gut um wahr zu sein und die nadann war auch nicht mehr ganz frisch und ich nicht ganz mutig genug, um anzurufen. Bis die Anzeige in der nächsten Ausgabe wieder drin stand. Da hab ich mir dann ein Herz gepackt und angerufen und bin am gleichen Abend noch hingefahren. Und wen treff ich da? Eben jene Bekannte von früher (mindestens 10 Jahre nicht gesehen), die damals in die Land-WG (war eine andere WG, übrigens) gezogen ist. Wenn das kein Zeichen ist

Ich habe nur einen recht flüchtigen Blick auf die Zimmer geworfen (klein aber gemütlich) und mich dann begeistert in der Küche festgequatscht. Was für ein witziger, zusammengewürfelter Haufen von erwachsenen, unangepassten Menschen! Und ein Hund! Ich war Feuer und Flamme. Leider gab es noch mehr Bewerber und es ist klar, dass eine sieben Personen Hausgemeinschaft nur funktionieren kann, wenn alle miteinander klar kommen. Allzu viele Hoffnungen hab ich mir also gar nicht gemacht. Allerdings hab ich zuhause dann doch schonmal gedanklich Möbel geschoben.

Letzten Dienstag kam dann der Anruf. Ich kann da einziehen. Ich hab sofort zugesagt. Ich weiß gar nicht, wie viele Leute mich inzwischen schon gefragt haben "Hast du dir das auch gut überlegt?". Nein, hab ich nicht. Ich habe mir das überhaupt nicht überlegt, sondern einfach aus dem Bauch heraus beschlossen, dass ich das jetzt mache. Wenn ich darüber nachgedacht hätte, hätte ich mich bestimmt nicht getraut.

Ich werde einige meiner Möbel nicht mitnehmen können, die Zimmer sind viel kleiner als meine jetzige Wohnung und ich werde mich von meinem Klavier trennen müssen. Das tut mir schon ziemlich leid, auch wenn ich selten drauf spiele. Überhaupt muss ich mein Leben ziemlich entrümpeln, aber das wird auch langsam mal wieder Zeit.

Ein bisschen hab ich mich davor gefürchtet, es meiner Mutter zu erzählen. Ich meine, hey, die ist immer so froh, wenn ich ein ganz normales Leben lebe, so mit festem Job, schöner Wohnung und so. Da passt Haus-WG so gar nicht ins Konzept, dachte ich. Aber man soll Mütter ja nicht unterschätzen. Sie war regelrecht begeistert und meinte, sie hätte schon länger gemerkt, dass bei mir mal wieder eine Veränderung anstehe. Nun muss man dazu sagen, dass sie das Haus, das eine alte umgebaute Fabrik und mehr eigenwillig als wirklich schön ist, ja auch noch nicht gesehen hat Vielleicht ändert das ihre Meinung ja wieder. Es hat jedenfalls total gut getan, dass sie mich da versteht und unterstützt und dass von ihr nicht die Frage kam "Hast du dir das auch gut überlegt?".
27.11.07 11:55


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